Saturday, August 12, 2006

Je länger der Vertrag ist, den man abschließt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das es während der Laufzeit Veränderungen geben wird (Leben bedeutet nun mal Veränderung!), und sich die ursprünglich geplanten Rahmenbedingungen für den Lebensversicherungsvertrag entscheidend ändern.  Nur drei von vier Lebensversicherungs-Policen mit einer Laufzeit von 30 Jahren kommen laut  Deutscher Aktuarvereinigung durch, 75% brechen vorzeitig ab. Wenn der Vertrag dann nicht kostengünstig und flexibel geändert werden kann, gibt es meist Schmerzen. Kurze Verträge machen kleine Beulen, Lange Verträge machen teure Beulen.
Der Abschluss solcher langfristigen Kapital vernichtenden und
intransparenten Verträge ist hingegen ohne jedes Risiko für den Lebensversicherer. Der hat bereits von Anfang an die Kosten und Erträge der gesamten Vertragslaufzeit verplant und lässt darüber hinaus seine versicherten und versklavten Schäfchen  an den eigenen Fehlern und damit verbundenen Kosten dynamisch teilhaben. Gleichzeitig werden Gewinne, die aus neuen Geschäftsfeldern sprudeln, von den Aktionären schnellstmöglich außer Reichweite der auf Überschussbeteiligung hoffenden Beitragszahler gebracht (und des Fiskus). Schaut man sich die Entwicklung der Marktkapitalisierung in der Assekuranz an, wäre man da nicht besser Aktionär geworden!?
In einem Beitrag des Manager-Magazin, in dem der Verkauf der Kapitallebensversicherung als beste Alternative zum Ausstieg dargestellt wird, schimpft man auf die "Strukturvertriebe" der Versicherer, die Porsche und Ferrari träumenden  Drückerkolonnen, die auf ihrer Jagd nach Höchstprovisionen selbst der eigenen Oma noch einen Bausparvertrag abzocken würden. Will man dazugehören, muss man etwas mitbringen und teilen was man hat. Das war schon auf dem Schulhof in der Grundschule nicht anders. Von jedem Euro der Oma bleibt dann nicht mehr viel übrig. Aber wer hat den Lebensversicherungen letztendlich zum Erfolg verholfen?
Der Gesetzgeber hat mit seiner damaligen Versicherer freundlichen Steuerpolitik die Melklizenz des Jahrhunderts überhaupt erst ermöglicht, die Kälber wurden mit Steuerversprechen motiviert, sich ihre Schlächter selbst auszusuchen um diesen dann den Markt zu überlassen. Längerfristige Subventionen (=Korruption auf höchster Ebene) versauen jeden Markt! (s. Gesundheit, Immobilien, Energie, Telecom..)
Heute feilschen Verbraucherverbände, Juristen und Gerichte nun mit den Versicherungsgesellschaften um die Folgen dieser Fehlentwicklung, den Schaden für die Kunden zumindest zu mildern. Die Undurchsichtigkeit bei den Finanzen, den Kosten und Überschussbeteiligungen, und das anrüchige Verhalten der Versicherer bei der Berechnung von Rückkaufswert und Stornokosten sind einige Ansatzpunkte. Nur mit der nötigen Transparenz lassen sich Lebensversicherungen vergleichen. Ein Urteil des BGH vom Dezember 2005 zu unwirksamen Klauseln bei der Berechnung des Rückkaufwertes
hat bereits einiges ins Rollen gebracht und lässt weitere Korrekturen und Klagen erwarten, wie auf den Seiten der Stiftung-Warentest zu lesen ist.


easycredit von der TeamBank
8/12/2006 4:01:54 PM (W. Europe Daylight Time, UTC+02:00)  #    Comments [0]Trackback